Warum Prüfungen sinnvoll sind, auch in den historischen Kampfkünsten…

Am Wochenende waren Gladiatores – Prüfungen im Leistungszentrum Karlsruhe .

Prüfungen …. Aahhh welch hässliches Wort – Die Meisten von uns sind keine Freunde davon “geprüft” zu werden, viele denken sie hätten in ihrer Schul-, Ausbildungs- und/oder Studienzeit bereits mehr Prüfungen durchgestanden, als sie ohnehin jemals wollten – und ich rede hier nur von den “offiziellen” Prüfungen wie Klausuren, Führerschein, Abschlussprüfungen usw. die sog. “Prüfungen des Lebens” wollen wir hier erst garnicht betrachten…  Warum also sollte man sich, zu allem Überfluss  auch noch freiwillig, in seiner Freizeit, Prüfungen und dem damit einhergehendem Prüfungsstress oder gar Versagensängsten stellen wollen?

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Im Grunde zählt doch nur was wir selber aus der Prüfung machen, wir legen die Prüfung immer und  vor allem vor uns selbst ab.  Gelingt es mir das selbst gesteckte Ziel zu erreichen? Bin ich so gut wie ich dachte? Oder sogar besser?  Kann ich auch unter Druck und mit Zuschauern die volle Leistung bringen? Macht es Sinn speziell nochmal die Grundlagen zu trainieren?

Na klar – kaum jemand stellt sich gerne vor Andere und wird geprüft… übrprüft, aber sie sind eben auch eine großartige Gelegenheit zu zeigen was man gelernt hat – das man etwas gelernt hat – und sie helfen auch den größeren Zusammenhang im wöchentlichen Training zu erkennen.

Prüfungen können auch sicherstellen das ich keine größeren Lücken in meinen Fähigkeiten und Kenntnissen habe… sie helfen mir ein solides Fundament zu bauen. Denn sie erfordern natürlich auch das ich mich mit meinen Schwächen auseinandersetze und sie nach Möglichkeit abbaue…

Meiner ganz persönlichen Ansicht nach, können Prüfungen dem Training Richtung geben – man trainiert nicht einfach vor sich hin, sondern auf ein Ziel zu.  Eine bestandene Prüfung ist ein Erfolgserlebnis, ein sichtbarer und messbarer Fortschritt der eigenen Fähigkeiten. Heute kann ich etwas das ich letztes Jahr noch nicht beherrscht habe…. Und ich bin mutig genug das auch vor Publikum zu zeigen.  Und ich kann auch erkennen wo ich vielleicht noch Deffizite habe. Auch das Feedback durch die Prüfer kann sehr hilfreich sein wenn ich die Prüfer als das sehe was sie zumindest bei Gladiatores sein wollen -  Trainer, Unterstützer,  die Dir  ermöglichen wollen im Rahmen der historischen Kampfkünste und im Rahmen Deiner Kenntnisse und Fähigkeiten Dein Bestes zu erreichen… Sie wollen und sollen Dir helfen, Dein bestes, mögliches  fechterisches Selbst zu finden ;-) Wann im normalen Training hat man denn tatsächlich die ungeteilte Aufmerksamkeit von mehreren, ausgebildeten Trainern?
Wann erhält man tatsächlich ausführliches und ehrliches Feedback zu den eigenen Fähigkeiten.  Während der Prüfung achten die Prüfer nur auf den Prüfling – und können im Anschluss sehr differenzierte Tips und Anregungen für das weitere Training geben.
Prüfungen und insbesondere auch Prüfungsseminare sind “Booster” für die eigenen Fähigkeiten. Nutzt die Gelegenheit dieses wichtige Feedback zu bekommen.

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Damit Prüfungen diesen Effekt haben, müssen im Vorfeld natürlich einige Bedingungen erfüllt werden.  Die Anforderungen der Prüfung müssen sinnvoll sein und die einzelnen Prüfungen müssen aufeinander aufbauen. Und die Prüfung sollte fordern aber nicht überfordern. Dies versuchen wir bei Gladiatores mit unserem Prüfungskanon zu gewährleisten.  Im Laufe der letzten Jahre wurde dieser immer wieder überarbeitet und verändert – immer in Absprache mit den Trainern. Wir denken das wir mit dem Gladiatores Prüfungs-Kanon ein gutes System entwickelt haben um innerhalb weniger Jahre ein guter Fechter zu werden.

Das Ausbildungsprogramm bei Gladiatores ist stufenweise aufgebaut. Bei jedem Übergang auf eine neue Stufe gibt es Prüfungen. Entsprechend dem jeweiligen Grad, den man anstrebt, werden die Techniken und Fertigkeiten aber auch das theoretische Wissen geprüft. Prüfungen für Anfänger sind relativ kurz, bei Gesellen kann es schon mal etwas länger dauern, bis das ganze Programm geprüft wurde.
Die Prüfungen bei Gladiatores sind absolut freiwillig. Niemand wird dazu gezwungen. Dennoch sind die
Prüfungen ein wünschenswertes Ereignis.

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Prüfungen machen es auch den Trainingsleitern  leichter, das Training sinnvoll zu strukturieren. Die Schüler und
Lehrlinge haben wichtige Zwischenziele auf die sie gezielt hin trainieren können. Die Prüfung wird  zu
einem Trainingshöhepunkt,  durch den auch die Motivation und Leistungsfähigkeit verstärkt wird.

 

Zur Prüfung kann man auch die Familie und Freunde einladen… man kann ihnen endlich einmal zeigen was man ständig macht und das Schwertkampf garnicht so verrückt ist, sondern ein Kampfsport, eine Kampfkunst die den Vergleich mit den asiatischen Kampfkünsten nicht zu scheuen braucht.  Eine Kampfkunst auf die wir stolz sind und stolz sein können. Auch das zeige ich nämlich, wenn ich bereit bin eine Prüfung abzulegen.

Ich hoffe ich konnte Euch ein bischen Lust auf Prüfung machen :-)

Die nächsten Gladiatores- Prüfungen sind in München im April 2014: http://www.gladiatores.de/Seminare_Muenchen.html

oder erst wieder im  September 2014 in Karlsruhe: http://www.gladiatores.de/WE-KA14.html

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4 Gedanken zu „Warum Prüfungen sinnvoll sind, auch in den historischen Kampfkünsten…“

  1. Die besten Prüfungen sind meiner Meinung nach immer noch die Wettkämpfe. Dort kann sich ein Kämpfer an anderen Kämpfern messen und sieht dabei wo er steht. Übung macht den Meister. Wenn die Kämpfe mit Video aufgenommen werden, können sie nachher analysiert werden.

    1. Hallo Alexander,
      vielen Dank für Deinen Kommentar und Deine Meinung.
      Unserer Ansicht nach ist das so, wie Du es hier schreibst, nicht richtig.
      In einer Wettkampfsituation werden ganz Andere Dinge “geprüft” als in einer technischen Kampfkunstprüfung.
      Bei unseren Prüfungen geht es darum ob der Schüler unter optimalen Bedingungen in der Lage ist eine Technik auch optimal auszuführen, es geht um Theorie, Kenntnis der Handschriften und ganz allgemein um fechterisches Denken und Verständnis.
      Hinzu kommt auch noch das viele der HEMA Wettkämpfe ein beklagenswert niedrieges technisches Niveu haben. Meist sind, wenn überhaupt, nur die Final-Kämpfe, aus Kampfkünstlerischer Sicht, sehenswert. Die Meisten sog. Wettkämpfe die ich sehen konnte sind vor allem Reaktionsspiele und technisch auf einem sehr schlechten Niveu. Versteh mich bitte nicht falsch, ich halte auch Wettkämpfe und Freikämpfe für wertvoll aber ohne ein adäquates Quellen- und Technikstudium im historischen Fechten, wird in ein paar Jahren, ähnlich wie beim modernen Sportfechten, nur noch ein kastrierter Wettkampfsport übrig sein, der vom realen Kampf (den so viele ja glauben anzustreben) ähnlich weit entfernt sein wird, wie eben das moderne Sportfechten.
      Wettkämpfe sind keine Prüfungen und eine Prüfung ist kein Wettkampf. Und beides ist vom realen Kampf unglaublich weit entfernt. Dem realen Kampf können (und wollen) wir uns heute nur nähern. Und je facettenreicher wir diese Annäherung gestalten um so vollständiger ist unser Bild.
      Aber das ist ein ganz neues Thema, über das ich sicher in Kürze einen Beitrag schreiben werde.
      Viele Grüße

  2. Zumindest haben wir das gleiche Ziel. Ich finde es auch wichtig sich möglichst nahe am “realen” historischen Kampf zu orientieren. Dazu gehört aber meiner Meinung nach auch die Umsetzung der Theorie im Wettkampf.

    1. Niemand hier hat gesagt das Wettkampf nicht AUCH ein wichtiger Teil ist bzw. sein kann. Es geht doch nicht um entweder Technik oder Wettkampf… Optimal wäre es wenn die historischen Fechter grundsätzlich BEIDES machen würden. (Allerdings ist das Thema dieses Blogbeitrages eben Prüfungen und nicht Wettkampf ;-) )
      Bei Gladiatores z.B. wird beides angeboten. Wir unterrichten sowohl Technik als auch Sparring bzw. wird Sparring praktiziert. Dies ist auch schon so seit unseren Anfängen, vor ca. 15 Jahren. Wir wünschen uns von unseren Mitgliedern, das sie zuerst die Techniken lernen und diese später dann auch im Sparring probieren. Mehrmals im Jahr gibt es bei uns auch die Möglichkeit an Wettkämpfen teilzunehmen. Ob und wie die einzelnen Schüler das Angebot nutzen ist aber jedem selbst überlassen.
      Sowohl Prüfungen als auch Sparring sind freiwillig.

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